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Darf man Hunde schlagen?

Die überfällige Neubewertung dominanzbasierter Erziehungsmethoden

"Ich gebe meinem Hund einen mit der Zeitung. Dann ist er auf die Zeitung sauer und nicht auf mich" – Aussagen wie diese hören Hundetrainer auch heute noch. Doch Gewalt in der Hundeerziehung ist längst überholt. Für einen zeitgemäßen und artgerechten Umgang mit Hunden hat die Verbändekooperation des Dachverbands für Haustierverhaltensberatung e.V. (DHVE) einen bundesweiten Hundeführerschein erarbeitet.

„Es ist bedauerlich, dass noch immer so viele alte Überzeugungen im Umgang mit Hunden bestehen. Das Gemeinschaftsprojekt unserer Mitgliedsverbände, der bundesweite Hundeführerschein, soll Hundehalter auf den neuesten Stand bringen und trägt dadurch zum besseren Zusammenleben zwischen Hund und Mensch im Alltag bei“, so Rainer Schröder, Präsident des DHVE. Noch immer ist Gewalt, oft mit dem Begriff der „Dominanz“ legitimiert, ein Mittel zur Hundeerziehung. Dem entgegen stehen die Erkenntnisse aus Wissenschaft und Ethologie, die Strafe und Gewalt als überholt und ineffektiv deklarieren. Hartnäckig hält sich der Mythos, dass Hunde aufgrund einer nach Dominanz strebenden Grundeinstellung ihr Verhalten gegenüber Artgenossen und Menschen einsetzen wie ein angeborenes Streben nach Weltherrschaft – und dass der Mensch sich dagegen durchsetzen muss. Dazu tragen medienwirksame Trainer bei, die Gewalt als ein probates Mittel der Interaktion zwischen Mensch und Tier propagieren. Dominanz wird oft als Eigenschaft des Hundes verstanden, bezeichnet aber eine Beziehung zwischen zwei Individuen: Der unterwürfige Hund, der die Ressourcen des anderen respektiert, stärkt dessen Dominanz. Will der Trainer oder Halter einen Hund durch körperliche Gewalt beeindrucken, erzeugt dies keine Dominanz, sondern Verunsicherung und Angst. Ursachen für sogenanntes dominantes Verhalten wie Drohgebaren oder Schnappen liegen vielmehr bei Unsicherheit, körperlichen Gebrechen und Stress. Durch Strafe werden die dem Verhalten zugrunde liegenden Bedürfnisse unterdrückt, ohne deren Ursache zu lösen. Gewaltsam erzogene Hunde sind dadurch erwiesenermaßen reaktiver und gefährlicher im Umgang. Gute Trainer setzen deshalb auf Entspannung statt Überforderung im Training und beziehen die Erkenntnisse aus Verhaltensforschung und Lerntheorie ein.

Mit der Mitgliedschaft im DHVE bekennen sich die Verbände zu einem artgerechten Umgang mit Tieren nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Ziel ist es, gemeinsam die öffentliche Wahrnehmung auf Haustiere als Sozialpartner und deren würdige, art- und tierschutzgerechte Behandlung zu schulen. „Unser Hundeführerschein schult den Hundehalter und interessierten Hundefreund in theoretischem und praktischem Wissen rund um Hundeerziehung, Körpersprache, Rechtsvorschriften, Gesundheit, Problemverhalten und mehr. Damit setzen wir als Dachverband einen bundesweiten Maßstab für zeitgemäße Hundeerziehung“, so Schröder. Das theoretische Wissen für den Sachkundenachweis können sich Hundehalter sowohl mit einem zertifizierten Trainer als auch autodidaktisch mit der DHVE Hundeführerschein Lernkarten App aneignen.

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